3.1 Kinetik der radikalischen Polymerisation 

            Index KKC 

3.2.1.4 Kinetik der Übertragungsreaktion durch Regler HX und der Abbruchreaktionen

P* + HX ¾¾® P-H + X*                  (Übertragungsreaktion)

X* + M ¾¾® X-M*                         (neue Startreaktion)

Als Regler werden verwendet: Merkaptane wie C12H25SH (Dodecylmerkaptan DDM)

(13)               ktr = Geschwindigkeitskonstante  der Übertragungsreaktion
                                                                           cXH = Reglerkonzentration

(14)     

Definition: Übertragungskonstante Ktr = ktr / kp

(15)      

Beispiel: Ktr von DDM in Styrol ist 20

(16)       

- Für Disproportionsabbruch: folgt aus (16):

(17)                    bzw.

(18)      

- Für Kombinationsabbruch:

(19)      .

Aus den Gleichungen (18) und (19) lassen sich die Einflussfaktoren auf die statistische Molekülmasse während der Polymerisation ablesen.

 

3.2.1.5  Kettenübertragungsreaktionen

1. Radikal zum Polymer

2. Radikal zum Lösungsmittel

In CC14 lässt sich Polyethylen "chlorieren":
2 RI-CH2-CH2* RI-CH2-CH2-Cl + RI-CH2-CH2-CCl3

3. Übertragung durch den Initiator

4. Reglerübertragung

5. Inhibitor-Übertragung

 

  3.2.1.6  Beispiele für intermolekulare Kettenübertragungsreaktionen

LD-Polyethylen - Hochdruck-Polyethylen  - (HDPE  - Niederdruck- PE - hat nur geringe Kettenverzweigungen)

- Kettenverzweigung -

(20)           vKtr = kKtr × c* × cPoly              cPoly = Polymerkonzentration
                                                                     kKtr = Geschwindigkeitskonst. der Kettenübertragung

(21)      .     Mit      vereinfacht sich (21) zu

(21a)      .          Hieraus wird ersichtlich:

Ist cPoly groß und cM klein, so steigt die Anzahl der Kettenverzweigungen (Kettenübertragungen).

 

3.2.1.7  Beispiel für intramoleku1are Kettenübertragung

LD-Polyethylen (Hochdruck-Polyethylen)


- Kurzkettenverzweigung -

 

3.2.1.8  Beispiel für Kettenübertragung als Pfropfreaktion

Styren-gepfropftes Polybutadien (SB bzw. PS schlagfest)

3.2.1.9  Geschwindigkeitskonstanten und Aktivierungsenergien bei 50°C

Agens kpin mol-1s-1 Epin kJ× mol-1 kt in mol-1s-1 Ktr
Styren 250 25 100× 10-7 5× 10-5
Methylmethacrylat 580 20 7 × 10-7   
Vinylacetat 2600 29 12 × 10-7   
Lösungsmittel: zu Styren
Tetrachlorkohlenstoff CCl4          0,012
Toluen          1,2× 10-5
Initiatoren zu Styren
Dibenzoylperoxid          0,05
Azobis(isobutyronitril)          0
Inhibitoren zu Styren
Chloranil          950
p-Benzochinon          570
Regulatoren zu Styren
1-Dodecylmerkaptan ( DDM)          20

 

3.2.1.10  Beispiel radikalische Polymerisation von Dien zu Kautschuk

Chloropren zu Polychloropren (Baypren, Neoprene)

        sterische Bezeichnung                                                     Struktur der Kettenradikale

Kopf - Schwanz:

cis 1.4                      ¾®

 

trans 1.4              ¾®

 

4.3                      ¾®

 

3.4                    ¾®

Kopf - Kopf:

cis 1.4               ¾®


trans 1.4                     ¾®

 


1.2                      ¾®

 

2.1                  ¾®

- Addition

 

3.2.1.11  Radikalische Vernetzung

Die Vernetzung ungesättigter Polymerketten läuft ab, wenn cM < cPoly.

Die Reaktion wird genutzt, um vorvernetzte Kautschuke oder vernetzte Thermoplaste wie PE für Kabelisolation zu erzeugen.

 

3.2.12    Kettenabbruch durch Inhibitor

Beispiel: Benzochinon als Inhibitor

Die  interne Stabilisierung des Radikals erfolgt durch Mesomerie

    3.2.2 Copolymerisationsreaktionen 

© Prof. Dr. M. Häberlein in FH Frankfurt, Fb 2, Stg Verfahrenstechnik