1.2 Gesättigte Polymere 

            Index KAT 

1.3  Füllstoffe

1.3.1  Ruße:

Herstellung 1. Furnance-Verfahren ; Rußbezeichnung (--F):                                         Struktur von SAF-Ruß:

Verbrennung von Öl mit Flammen-Quenching mit Wasser; Ausbeute 70 bis 25 %

Herstellung 2. Thermal-Verfahren Rußbezeichnung (- T):                                                       Struktur von MT-Ruß:

Zersetzung von Methan unter Luftausschluss: CH4 ¾¾® C + 2 H2

In unbedeutenden Mengen sind Channel-Ruße Rußbezeichnung (- - C) im Einsatz, insbesondere als Farbruße.

 

Ruße werden unterschieden nach

 

Ruße gleicher Teilchengröße können unterschiedliche Struktur aufweisen:

Die Für Kautschuke relevante Rußstruktur wird durch Adsorption von Dibutylphthalat (DBP, einem Weichmacheröl) ermittelt. Die theoretische Rußstruktur entspricht der N2-Absorption nach BET oder der Iodabsorption.

Mechanische Beanspruchungen von Ruß und Kautschukmischung führen zum Abbau der Rußstruktur und zur Reduzierung der Teilchengröße durch Scherung sowie zum Aufbau der Teilchengröße durch Druck. Hierdurch sinkt die Rußaktivität und somit die Härte, der Modul (Spannung bei definierter Dehnung) und die Festigkeit der Vulkanisate ebenso wie die elektrische Leitfähigkeit.

 

Rußtypen (Füllstoffruße)

Die Bezeichnung der Rußtypen richtet sich weltweit nach der US-Norm ASTM. Listung nach abnehmender Teilchengröße:

US-Bezeichnung Abkürzung ASTM Bemerkung
(Farbruße) -- --- hoch el. leitfähig
Super Abrasion Furnance SAF N 110 hoch abriebfest
Intermediate S.A.F. ISAF N 220 z.B. Reifenlaufflächen
ISAF - Low Modulus ISAF-LM N 234 besser einmischbar
High Abrasion Furnance HAF N 330 -
HAF - Low Structure HAF-LS N 326 z.B. Haftmischungen
HAF - High Structure HAF-HS N 347 verstärkt wie N220
Super Conductive Furnance SCF N 294 elektrisch leitfähig
Extra Conductive Furnance XCF N 472 durch Farbruße ersetzt
Fine Furnance FF N 440 nur in den USA
Fast Extrusion Furnance FEF N 550 z.B. Profile, Dichtungen
FEF - Low Structure FEF-LS N 539 -
FEF - High Structure FEF-HS N 568 -
General Purpose Furnance GPF N 660 z.B. Karkassenruß
High Modulus Furnance HMF N 601 nur in den USA
Semi Reinforcing Furnance SRF N 770 technische Artikel
SFF - Low Modulus non staining SRF-LM-NS N 762 nicht verfärbende technische Artikel
Multi Processing Furnance MPF N 785 selten
Fine Thermal FT N 880 vorwiegend in USA
Medium Thermal MT N 990 inaktivster Ruß
Für Kautschuke sind kaum im Einsatz (vorwiegend Farbruße):
Conductive Channel CC    
Easy Processing Channel EPC S 300 (langsam vulkanisieerend = slow)
Medium Processing Channel MPC S 301

 

Verstärkungswirkung von Füllstoffen in SBR

Verstärkungswirkung durch Zugabe von 10 pphr Füllstoff in SBR:

  0 = kein Härteanstieg
10 = Härteanstieg um ca. 10 Punkte Shore A - Härte

Füllstoff Typ Teilchengröße in nm Verstärkungswirkung spez. Oberfläche m²/g
Ruße N 990 470 1 <10
-"- N 770 60-80 3 17-33
-"- N 660 50 4 26-42
-"- N 550 40 5 36-52
-"- N 330 29 6 70-90
-"- N 220 23 7 110-140
-"- N 110 20 8 125-155
hochleitfähiger Ruß - 10 10 >200
Kieselsäure (Silica) Vulkasil S (Ultrasil VN3) - 5 -

-"-

Aerosil - 7 -
Calciumsilikat Sillitin N8 - 3 -
Metalloxide Kaoline (Al2O3) - 1-3 -
Carbonate Kreide (CaCO3) - 1-2 -
 
Weichmacher aromatisch, naphthenisch - -4  (erweichend) -

-"-

paraffinisch - -5 -
Syntheseöle DOP, DOA, DOS - -5 -

Rezeptur: Kautschuk 100 pphr (oder phr) mit Zusatz von
Füllstoffen, Weichmacher, Chemikalien in Teile pro 100 pphr  Kautschuk

Verstärkungswirkung von Rußen in SBR 1500 und in NR:
Reißfestigkeit in N/mm2

                                                                   Masseteile Ruß in pphr

 

1.3.2  Zusammenfassung: Füllstoffe in Kautschukmischungen

Art Dichte Handelsname Einsatz
Ruße 1,8 ASTM-Norm allgemein, schwarz
Kieselsäuren 1,95 Vulkasil  S, N aktiver heller Füllstoff, unter Zusatz von Aktivatoren (Silanen oder Siloxanen)
Kieselsäuren 2,0 Aerosil hochaktiver heller Füllstoff
Calciumsilikate 2,2 Sillitin N8 halbakt. heller Füllst.
Aluminiumsilikate 2,1 Kaoline, weich halbakt. heller Füllst.
Aluminiumsilikate 2,1 Kaoline, hart gering aktiver heller Füllstoff
Talkum 2,8 Micron Vapor Gleitwirkung, Diffusion, Streckmittel
Calciumcarbonat 2,6 Kreide Streckmittel
Bariumsulfat 4,5 Baryt Streckmittel, Geräuschdämmung
Bleioxide 4 - 9,4 Litharge Geräuschdämmung, Strahlenabsorption
Metall wie Blei, Aluminium, Eisen - spezielle Eigenschaften
Holzmehl / Holzfasern 1,1 - Anisotrope Artikel
Kurzschnittfasern 1-2,5 - Anisotrope Artikel, Keilriemen

 

1.3.3  Weichmacher in Kautschukmischungen

Art

Eigenschaft

in Elastomer

Dosierung
in pphr

Mineralöle
paraffinisch

naphthenisch

aromatisch

Verarbeitungshilfe

Streckmittel

Streckmittel, Konfektionshilfe (Tack)

unpolare, EPDM

gering polar, SBR

polar bis gering polar, CR, SBR

bis 70

bis 70

bis 70

Syntheseöle

Phthalate wie DOP, Dioctylphthalat
DINP
Dioctyladipat DOA
Dioctylsebacat DOS
Phosphorsäureester

Sulfonsäureester, Mesamoll
Chlorkohlenwasserstoffe

 

Streckmittel, Kälteflexibilität
Kälteflexibilität bei
optimaler Hitzebeständigkeit
Flamminhibitoren
für Lebensmittel- Bedarfsgegenstände
Flammschutz bis 42 % Chloranteil

 

polare Kautschuke
polare Kautschuke
polare Kautschuke
polare Kautschuke
polare Kautschuke
polare Kautschuke

alle Kautschuke

 

bis 30
bis 30
bis 30
bis 30
bis 30
bis 30

bis 30

Pflanzliche Öle wie Palmöl Verarbeitungshilfe alle Kautschuke bis 15

 

1.3.4  Faktis

Aus der "Alchemie" der Kautschuksynthese stammt der Faktis: mit Schwefel (Schwefelfaktis) und weiteren Zusatzstoffen bei 140-160 °C vernetzte Mineral- und  ungesättigte Pflanzenöle. Diese Produkte, hell oder dunkel, haben Kautschuk ähnliche Eigenschaften und werden als Verarbeitungshilfsmittel, zur Veränderung des Quellverhaltens des Gummis, zur Beeinflussung des pH-Wertes der Mischung   und zur Senkung des Mischungspreises eingesetzt. Die Verwendung von Faktis ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.

    1.4 Chemikalien für Kautschukmischungen 

© Prof. Dr. M. Häberlein in FH Frankfurt, Fb 2, Stg Verfahrenstechnik